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Erfassung der Vegetation in Altholzbeständen

Ausgangssituation

Im Mittelpunkt des BBV-Projektes stehen die saarländischen Buchenwälder, für die Deutschland und das Saarland eine besondere Verantwortung tragen. Im Anhang 1 der europäischen Fauna-Flora-Habitat Richtlinie sind diejenigen Buchenwaldtypen aufgeführt, die europaweit einen besonderen Schutz genießen, die sogenannten FFH-Lebensraumtypen. Von den dort aufgeführten Einheiten sind im Saarland auf den bodensauren Standorten des Buntsandsteins zum Beispiel der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) weit verbreitet, während auf den basenreichen Muschelkalkstandorten des Saar-, Nied- und Bliesgaus der Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) oder der mitteleuropäische Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion) vorkommen. An den 32 ausgewählten Untersuchungsflächen des Projektes werden Vegetationsuntersuchungen durchgeführt. Neben einer floristischen Bestandsaufnahme werden dabei auch strukturelle Parameter wie Schichtung, Kronenschluss und Altersstruktur der Bestände erfasst. Die Daten erlauben eine vegetationskundliche Typisierung der Bestände und ermöglichen gleichzeitig eine allgemeine Charakterisierung der ökologischen Standortbedingungen. Ein Teil der im Fokus des Projektes stehenden auf Alt- und Totholz angewiesenen Arthropoden-Arten nutzt das Nektar- und Pollenangebot in der Umgebung ihrer Habitatbäume. Die floristische Erfassung der Untersuchungsstandorte kann hierbei u.a. auch Hinweise auf spezifische Nahrungspräferenzen der erfassten Arten liefern.

Methodik

Die Untersuchungsstandorte werden anhand folgender Kriterien erfasst:

  • Vegetations- bzw. Habitatstrukturen

  • Arteninventar

  • Anthropogene Beeinträchtigungen

Bei der Beurteilung der Vegetations- bzw. Habitatstrukturen spielt u.a. die vertikale Schichtung der Bestände eine Rolle. Wälder sind i.d.R. dreidimensional aufgebaut, d.h. sie können in eine Baum-, Strauch- und Krautschicht gegliedert werden. Gut strukturierte Bestände besitzen oft mehrere Baum- und/ oder Strauchschichten. Eine besondere Bedeutung für die Tierwelt und insbesondere für Urwaldreliktarten, besitzen ganz oder teilweise abgestorbene Bäume sowie sogenannte Biotopbäume, d.h. Einzelbäume mit Ast- oder Stammhöhlen, Mulmkörpern oder Pilzkonsolen. Von Interesse ist hierbei die Frage, welchen Einfluss die Häufigkeit, Verteilung und Zustandsform derartiger Bäume innerhalb der Bestände auf das Vorhandensein oder Fehlen spezifischer Alt- und Totholz-Lebensgemeinschaften bzw. Arten hat. Das Hauptaugenmerk bei der Erfassung der Pflanzenarten wird auf die Zusammensetzung der Baumschicht gelegt. Viele der xylobionten, also der versteckt im Holz lebenden Arten, präferieren spezifische Pilzarten als Nahrungspflanzen, die wiederum auf bestimmte Wirtsbaumarten angewiesen sind. Die Arten der Krautschicht geben über ihre Zeigerwerte vor allem Hinweise auf die allgemeinen Standortbedingungen sowie die syntaxonomische Einstufung der Bestände. Zudem besuchen zahlreiche xylobionte Arten spezielle Blütentypen als Nahrungsquelle bzw. als Territorien für die Geschlechterfindung. Hier gilt es, eventuelle Zusammenhänge aufzuzeigen. Alle Bestände werden daher stratenbezogen floristisch erfasst. Ob es sich bei den ausgewählten Buchenwaldbeständen um FFH-Lebensraumtypen handelt, entscheidet sich primär anhand des Arteninventars am Standort, wobei Einheiten dann als Lebensraumtypen gelten, wenn mehr als 50% der lebensraumtypischen Arten im Baumbestand vorhanden sind oder die Krautschicht das lebensraumtypische Arteninventar aufweist. Die Beurteilung, inwieweit die aktuelle Bestockung der potenziellen natürlichen Vegetation entspricht, dient als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl als Vorrangfläche für Maßnahmen zum Schutz und Entwicklung entsprechender Arten und Biozönosen, die in ein Alt- und Totholzverbundsystem eingebunden werden können (Trittsteinbiotop).
In diese Beurteilung fließt auch das gesamte Spektrum der anthropogenen Beeinträchtigungen ein. Hierbei sind vor allem Faktoren der Waldbewirtschaftung von Bedeutung (z.B. Rückeschäden am Waldboden, Anlage von Entwässerungsgräben u.a.). Im Hinblick auf die Einstufung der Naturnähe der untersuchten Bestände findet ein vom SaarForst Landesbetrieb bereits erarbeiteter Kartierschlüssel Anwendung. Im Rahmen der Untersuchungen werden auch Kleinstrukturen erfasst, die lokal z.B. die forstliche Nutzbarkeit einschränken und daher die natürliche Alterung einzelner Bäume begünstigen, in denen sich Habitate für spezifische Arten und Lebensgemeinschaften entwickeln können.
Hierzu gehören:

  • Quellbereiche

  • Versumpfte Stellen

  • Verlandungsbereiche stehender Kleingewässer

  • Offene, natürliche Block- und Geröllhalden

  • Kleinräumige Steillagen

  • Bombentrichter

  • Mardellen (Einbruchtrichter in Muschelkalkgebieten)

Alle erhobenen Daten werden in das Geoinformationssystem des Projektes eingegeben und stehen für eine kombinierte Auswertung mit den Daten der tierökologischen Untersuchungen zur Verfügung.

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