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Projektziele und Ablauf

Totholz ist alles andere als tot und sollte vielmehr als Lebenselixier des Waldes verstanden werden. Umso wichtiger ist es, dass sich Initiativen und Projekte eingehend mit der Totholzthematik beschäftigen, angepasste Bewirtschaftungsstrategien für die Waldwirtschaft entwickeln und sie einer breiten Öffentlichkeit näherbringen. Vor diesem Hintergrund ist im Januar 2013 im Saarland das „Alt- und Totholzprojekt“ gestartet. Im Rahmen des Bundesprogramms zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (BBV) werden seit Anfang 2011 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt Vorhaben gefördert, für deren Durchführung ein bundesweites Interesse besteht, da durch die geförderten Maßnahmen der Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland gestoppt bzw. in einen positiven Trend umgewandelt werden könnte.

Ein Projektteam des NABU Saar wird in sechs Jahren in Zusammenarbeit mit dem SaarForst Landesbetrieb, Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten sowie mehreren privaten und kommunalen Forstbetrieben neue Strategien und Managementkonzepte erarbeiten, um den bislang weitgehend unbeachteten Lebensraum Alt- und Totholz in die bestehende Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche zu integrieren. Es geht also nicht darum neue Waldschutzgebiete zu entwickeln oder Flächen aus der Nutzung zu nehmen, sondern eine Vision „Wirtschafts- und Habitatwald 2100“ gemeinsam mit den Waldbesitzern zu etablieren und als neue ordnungsgemäße Waldwirtschaft zu definieren.


Zunächst wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten sowie Mitarbeitern von SaarForst und des Zentrums für Biodokumentation der aktuelle Stand der Wissenschaft ermittelt und anhand neuer Untersuchungen in den Fachdisziplinen xylobionte Käfer, Pilze, Vögel, Fledermäuse und Vegetation in 32 ausgewählten Waldbeständen des Saarlandes weiter erforscht.
Hierbei sollen insbesondere Restpopulationen der Alt- und Totholzbiozönosen in unserem deutschen Verantwortungslebensraum „Rotbuchenwald“ identifiziert, vernetzt und somit letztendlich bewahrt bzw. weiterverbreitet werden. Dafür müssen ausreichende Altholzstrukturen kontinuierlich und flächendeckend entwickelt und erhalten werden, wobei hier besonderes Augenmerk auf dem Überleben der stark bedrohten Urwaldreliktarten liegt. Um einen notwendigen Nutzungsverzicht bzw. eine Bewirtschaftungsänderung im Forstbetrieb zu begründen, muss zudem eine sowohl qualitative als auch quantitative Begründung auf wissenschaftlicher und monetärer Basis erfolgen bzw. müssen alternative Wertschöpfungsmöglichkeiten als Ausgleich innerhalb der Wirtschaftsbilanz aufgezeigt werden.
Im Laufe des Projektes sollen außerdem Handlungsempfehlungen zu den Themen Arbeitssicherheit und Verkehrssicherung im Wirtschaftswald erarbeitet werden, die anschließend von Waldbesitzern und Forstbetrieben durch Praxisleitfäden konkrete Anwendung finden.

Um die langfristige Integration von Alt- und Totholzbiozönosen in die mitteleuropäischen Wirtschaftswälder, ausgehend von unserem BBV-Projekt, zu erreichen, müssen alle entscheidenden Akteure aus Politik, Forstwirtschaft, Forschung und Bevölkerung durch eine umfassende Kommunikation mittels Diskussionsforen, Fachexkursionen, Publikationen und Ausstellungen informiert und involviert werden. Es geht hier vor allem darum, für alle nachvollziehbar zu vermitteln, warum Alt- und Totholzbiozönosen für die Bewahrung der biologischen Vielfalt der heimischen Wälder so entscheidend sind. Um eine geeignete Kommunikationsplattform zu schaffen, ist deshalb im Rahmen des Projektes auch der Bau eines Informationszentrums vorgesehen, um die gewonnenen Ergebnisse repräsentativ und nachhaltig einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig über die Projektdauer hinaus für die biologische Vielfalt der Alt- und Totholzbestände in Rotbuchenwäldern zu werben.
Das Projekt wird durch externe Wissenschaftler evaluiert. Wir freuen uns sehr über jegliche Unterstützung in dem Projekt, aber auch über Anregungen und Kritik.

Zum Ablauf etwas genauer

Die Gesamtlaufzeit beträgt 6 Jahre. Dabei wird grob in zwei Phasen gegliedert:

a) Inventur und Analyse:
Die vorhandenen Forsteinrichtungsdaten werden analysiert, um die noch vorhandenen Bestände mit Alterungs- und Zusammenbruchsphasen (Laubholz ab ca. 160 Jahren) zu analysieren.
In 32 ausgewählten Beständen mit Habitattradition werden spezielle Untersuchungen zu Leit- und Indikatorarten durchgeführt, um die Restpopulationen der Urwaldreliktarten identifizieren zu können.
b) Planung:
Auf Basis der Daten wird ein Biotopverbundsystem für die Sicherung und Wiedervernetzung der Arten entwickelt.
Damit kann sehr zielgerichtet entschieden werden, ob die bislang geplanten forstbetrieblichen Maßnahmen ausreichen, um die Arten zu sichern und langfristig wieder auf der gesamten Waldfläche auszubreiten oder ob ggf. die Forsteinrichtung korrigiert werden muss.
Die Planungsdaten stellen dabei lediglich eine Empfehlung dar; ob der Forstbetrieb sie umsetzt, liegt in seinem Ermessen.
Parallel dazu findet eine intensive Öffentlichkeitsarbeit statt, um Waldbesitzer, Experten, Politiker und die breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren und in einem Diskussionsprozess miteinander zu vernetzen.

Die Kartierung von folgenden Indikator- und Leitarten wird von Experten in den ausgewählten Beständen durchgeführt:

  • Vegetation, speziell die Bestimmung der Waldgesellschaften
  • holzbewohnenden Insekten, hier speziell der Urwaldreliktarten
  • holzbesiedelnden Pilzarten, hier speziell der Indikatorarten
  • Vögel
  • Fledermäuse

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